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Das Stiftsgymnasium Melk (offiziell Öffentliches Stiftsgymnasium und Oberstufenrealgymnasium der Benediktiner zu Melk) ist ein bekanntes humanistisches Gymnasium mit Öffentlichkeitsrecht, das sich in Trägerschaft der Benediktiner von Stift Melk befindet und auch in diesem untergebracht ist. Es wurde im frühen 12. Jahrhundert als Klosterschule gegründet und ist damit die älteste heute noch bestehende Schule Österreichs.

Geschichte Bearbeiten

Die Klosterschule im Mittelalter Bearbeiten

Die frühsten Erwähnungen der mittelalterlichen Klosterschule finden sich in einem Totenbuch aus dem Jahr 1140 sowie auf Pergamentfragmenten von 1160. Man geht davon aus, dass diese im frühen 12. Jahrhundert gegründet wurde. Zur Zeit der Melker Reform befand sich die Schule in einem blühenden Zustand, während der Reformation hatte sie jedoch mit stark sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen, die sie an den Rand der Existenz brachten.

Diese Krise dauerte bis Ende des 16. Jahrhunderts an, als wieder zunehmend Schüler aus Süddeutschland eintraten, die in ihrer Heimat Jesuitenschulen besucht hatten und daher eine sehr gute Ausbildung mitbrachten. Daraufhin errichtete Abt Berthold Dietmayr 1707 ein modernes, sechsklassiges Gymnasium.

Modernes Gymnasium Bearbeiten

Aufgrund der Schulpolitik Maria Theresias wurde das Gymnasium im Schuljahr 1781/82 in eine teilweise öffentliche Schule umgewandelt. Von 1787 bis 1804 verlegte man es jedoch nach St. Pölten. 1850 wurde die Zahl der Klassen auf acht erhöht, daraufhin konnte im folgenden Jahr in Melk die erste Matura stattfinden. Außerdem wurde ab nun besonderes Augenmerk auf die naturwissenschaftlichen Sammlungen gelegt. Der Jahresbericht 1861 spricht von insgesamt 208 Schülern, darunter 51 Konviktisten. Ab 1873 konnten in Nebengegenständen auch weltliche Lehrer an der Schule unterrichten, 1879 dann in allen Fächern. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde das Stiftsgymnasium als katholische Schule von den neuen Machthabern geschlossen, Schul und Konviktsräume mussten vermietet werden.

Entwicklung seit 1945 Bearbeiten

StiftMelkPortal

Schüler am Portal des Stiftes

Nach Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten konnte der Schulbetrieb bereits im September 1945 wieder aufgenommen werden. 1966 kam es erstmals zum Schüleraustausch mit der St. John's Preperatory School in Minnesota, der bis heute jährlich durchgeführt wird. Aufgrund stark rückläufiger Schülerzahlen wurden ab dem Schuljahr 1967/68 auch Mädchen an der Schule aufgenommen, außerdem gab es von nun an - zusätzlich zum humanistischen - auch einen neusprachlichen Zweig in der Oberstufe, Latein ist allerdings bis heute für alle Pflicht. 1972 ernannte Abt Reginald mit Dr. Ernst Wegscheider erstmals einen Laien zum Direktor. Seit 1973 werden die Lehrer an der Schule durch den Bund bezahlt, was eine erhebliche finanzielle Erleichterung für das Stiftsgymnasium darstellt.

1976 wurde das Oberstufenrealgymnasium eingerichtet, vorerst nur mit dem Schwerpunkt Instrumentalmusik, der bildnerische sowie der naturwissenschaftliche Zweig folgten. Verbesserte Verkehrswege, die Schülerfreifahrt und neue familiäre Verhältnisse führen zu einer ständigen Abnahme der Zahl der im Konvikt untergebrachten Schüler, die Gesamtzahl hingegen stieg. 1999 trat Ernst Wegscheider in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde Mag. Anton Eder. 2005 wurde erstmals die 5-Tage-Woche erprobt, im darauf folgenden Jahr für alle Klassen eingeführt. Im Laufe einer zweijährigen Renovierungsphase 2006-2008 wurden nach und nach alle Bereiche der Schule renoviert und zusätzlich eine neue Dreifachsporthalle errichtet, die am 28. Mai 2008 eröffnet werden konnte.

Schülerverbindung Bearbeiten

Nibelungiamelk

Wappen und Wahlspruch der Nibelungia Melk

Das Stiftsgymnasium Melk ist Stammschule der 1919 gegründeten katholischen Schülerverbindung K.Ö.St.V. Nibelungia Melk. Diese ist Farbe tragend, nicht schlagend und Mitglied im Mittelschüler-Kartell-Verband. Ihre Bude ist der Nibelungenturm nahe der Stadtpfarrkirche Melk, ihr Wahlspruch „ολίγοι τε φίλοι“ (altgriechisch: Wenige, aber Treue). Weiters bekennt sie sich zu den vier Prinzipien des MKV.

Struktur Bearbeiten

Nebeneinander existieren an der Schule ein klassisches achtjähriges Gymnasium, bei dem in der Oberstufe die Wahlmöglichkeit zwischen Altgriechisch und Französisch besteht, und ein Oberstufenrealgymnasium mit Wahlmöglichkeit zwischen einen musischem, einem bildnernischem und einem naturwissenschaftlich-mathematischen Zweig. Ab der 6. Klasse (10. Schulstufe) muss jeder Schüler ein Wahlpflichtfach belegen. Angeboten werden die Sprachen Spanisch, Französisch, Italienisch und Russisch sowie Informatik und Theorie des Sports.

Im Schuljahr 2010/11 besuchen 924 Schüler in 36 Klassen das Stiftsgymnasium[1]. Unterrichtet werden sie von 93 Lehrern. Derzeitiger Direktor der Schule ist Anton Eder.

Schülervertretung Bearbeiten

Die Schülervertretungswahlen des Stiftsgymnasiums finden einmal jährlich am 13. Oktober, dem Festtag des Hl. Koloman, statt. Gewählt werden dabei ein Schulsprecher, zwei Stellvertreter und drei Vertreter für den Schulgemeinschaftsausschuss (SGA). Wahlberechtigt sind alle Schüler der Oberstufe. Derzeitiger Schulsprecher (2010/11) ist Maximilian Grill. Seine Stellvertreter sind Karl Neubart und Benedikt Ziegler, die SGA-Vertreter Valerie Schroll, Denise Hofbauer und Simon Liebentritt.

Wahlspruch Bearbeiten

Wahlspruch der Schule ist „Discimus vitam“ (Leben lernen), in Anlehnung an das bekannte Seneca-Zitat „Non vitae, sed scholae discimus“.

Bekannte Altmelker Bearbeiten

Egon Schiele 059

Porträt des Albert Paris Gütersloh von Egon Schiele

Friedrich Halm

Friedrich Halm

Die Absolventen des Stiftsgymnasiums werden als „Altmelker“ bezeichnet. 2000 wurde der Verein der Absolventen und Freunde des Stiftsgymnasiums Melk, Förder- und Absolventenverein der Schule, gegründet, dessen Obmann der ehemalige Direktor Dr. Ernst Wegscheider ist. Bekannte Altmelker sind u.a.:

Bekannte Professoren Bearbeiten

Sonstiges Bearbeiten

Flurbrandstiftsfelsen

Abgebrannte Fläche der Böschung über der Melker Altstadt

Am 19. Juni 2007 kam es, offenbar durch ein von Schülern des Stiftsgymnasiums aus dem Fenster geworfenes brennendes Schulbuch, zu einem Flurbrand am Südhang des Stiftsfelsens oberhalb der Altstadt. Die Feuerwehren Melk und Spielberg rückten an, am Gebäude ist dabei jedoch kein Schaden entstanden.[2]

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Elternbrief des Stiftsgymnasiums, Schuljahr 2010/11, S.1
  2. Einsatzbericht der Feuerwehr Melk

Literatur Bearbeiten

  • Literatur über das Stiftsgymnasium Melk im Katalog der Österr. Nationalbibliothek
  • P. Wilfried Kowarik et al.: Stift Melk in Geschichte und Gegenwart. Stift Melk (Hrsg.), Verlag NÖ Pressehaus, St. Pölten 1980
  • Ernst Bruckmüller: 900 Jahre Benediktiner in Melk, Jubiläumsausstellung 1989 Stift Melk, Eigenverlag Stift Melk, Melk 1989

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